05. Mai 2007 - Together - Sereina Überwasser, Markus Götz, Frieder Loch

Badische Zeitung vom Dienstag, 8. Mai 2007 

Ein Konzert voller Überraschungen

"Son of a preacherman" : Sereina Überwasser trumpft als Jazz-Sängerin im Zusammenspiel mit Frieder Loch und Markus Götz auf

STEINEN. Kurz vor Konzertbeginn mussten noch Stühle dazugestellt werden. Was der Verein Kunst und Kultur in Steinen für das Konzert von Markus Götz, Frieder Loch und Sereina Überwasser im Schulzentrum Steinen bereitgestellt hatte, war zu wenig. Die Kombination machte neugierig.

Man kennt Markus Götz, vor allem sein gefühlvolles Spiel auf dem Flügelhorn, der ein oder andere wird sich auch noch an Frieder Lochs Auftritt in Steinen erinnert haben, dazu die junge Sängerin Sereina Überwasser aus Basel. Diese Kombination versprach einen anregenden Konzertabend voller Überraschungen. Und diese waren viele. Zuerst einmal natürlich die junge bezaubernde Sängerin Sereina Überwasser, die nicht nur mit ihrem Charme die Herzen der Zuhörer gewann, Jazzgesang sei für sie neu, meint sie, und es mache ihr große Freude mit den beiden Musikern dieses Terrain zu erkunden.

Und je weiter der Abend fortschritt, je mehr die Sängerin getragen wurde von der Zuneigung der Zuhörer, um so sichtlich wohler fühlte sie sich. Und als Sereina an Frieder Lochs Piano alleine Norah Jones "Sunrise" anstimmt, ist sie ganz bei sich, nah am Original und doch ganz sie selbst. Das innigste Stück der jungen Basler Sängerin. Man spürt ihre Vorliebe für Pop und auch für Klassik, ihr Stimmumfang ist gewaltig. Immer mehr löst sie sich vom Notenblatt, wagt quasi die Freiheit und wird durch neue Sicherheiten belohnt. Voller Energie ihr "Son of a preacherman" , der war schon in der Zugabe, ihre Reserven waren nach zwei Stunden Konzert also bei weitem noch nicht aufgebraucht, ja im Gegenteil, mit jedem Song schien sie noch präsenter, ihre Stimme noch ausdrucksstärker zu sein. Und Frieder Loch, der Nachwuchspianist aus Maulburg, er ist Begleiter, Solist und Komponist. Noch schwimmt er auf der Welle der Jugend, er sonnt sich in seinem Erfolg , ohne jede Spur von Eitelkeit, die Begeisterung, die er entfacht, fällt wieder auf ihn zurück, trägt ihn zum nächsten glänzenden Solo, zur nächsten Begleitung, zurückhaltend, wie gefordert. Und blitzt vollends bei seinen eigenen Stücken auf. Frieder Loch ist schon ganz Profi, was seine ihm zugestandene Jugendlichkeit umso charmanter wirken lässt. So begleitet er Sereinas Pop-Stücke, Markus Götz gefühlvolle Jazz-Stücke und dreht noch einmal richtig bei seinen eigenen Stücken auf. "Sky in april" hieß eine Collage von verschiednen Versatzstücken, ruhig, lebendig dissonant heftig und schräg, wie ein Aprilhimmel eben, wenn man nicht den 2007 zum musikalischen Vorbild nehmen will. Frieders Stücke sind temporeich vorwärtstreibend, lassen viel erahnen von der großen Musikalität des jungen Musikers aus Maulburg.

Man wird sicher noch viel hören von Frieder Loch, sein Pianospiel hat schon jetzt eine eigene Klangfarbe, und er weiß sich gekonnt einzubringen, vor allem im Zusammenspiel mit Markus Götz, bei den Stücken Frieders hat sein seelenvolles Flügelhorn keinen Platz, hier ist die klarere und auch härtere Trompete gefordert. Der Maestro aus Schopfheim glänzt natürlich auch hier. Doch das Krönchen seines Parts ist sein Evergreen. Wer kann "My Funny Valentine" so gefühlvoll und so hingebungsvoll spielen, wie Markus Götz auf dem Flügelhorn. Wenn dann noch Sereina Überwassers Gesang hinzukommt, dann ist aus diesem Stück, obwohl schon so bekannt, etwas wunderbar Neues und Bewegendes geworden. Ein Mai-Konzert der etwas anderen Art — genauso vielfältig und lebendig, voller Blüten und Knospen.
Martina David-Wenk

 

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