08. Juni 2013 - Christof Stählin

Christof Stählin - Lieder 1970-2013

Der Hechinger Liedermacher, Literat und Kabarettist Christof Stählin, geboren 1942, im Februar dieses Jahres mit dem Ehrenpreis des deutschen Kleinkunstpreises und 2011 mit dem Ehrenpreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet, gibt in diesem Programm einen Überblick über seine poetisch-musikalische Lebensarbeit. Er begleitet sich auf der Vihuela, einer zwölfseitigen frühen Variante der Gitarre aus dem Spanien des 16.Jahrhunderts. Die Lieder handeln von Tieren und Pflanzen, Mammut, Wal, Zypresse, Zikade Eidechse und Holunder. Die großen Fragen unserer Zeit erzeugen Spannung, indem sie im Hintergrund sowieso da und allen bewußt sind. „Man muß die Welt preisen!“ ist die philosophische Überzeugung, die diesen Liedern zugrunde liegt. Und die Kritik? „Meine Kunst ist nicht scharf, aber geschliffen.“

1976: Deutscher Kleinkunstpreis in der Kategorie Chanson
1978: Deutscher Schallplattenpreis für Das Einhorn
1985: Buxtehuder Kleinkunstigel
1991: Liederpreis des Südwestfunks
2000: Bundesverdienstkreuz
2011: Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik
2013: Ehrenpreis des Deutschen Kleinkunstpreises

Staehlin_web

Homepage: www.christof-staehlin.de

 

Pressetexte:

Unter den wirklich guten Kabarettisten ist er gewiß der stilvollste: Christof Stählin, dessen Name zum Synonym für edles, literarisch ausgefeiltes Kabarett geworden ist... Stets auf elegant-gehobenem Niveau und rhetorisch brillant, ohne grelle Töne, aber in schillernden Facetten. (Berliner Zeitung, 29. April 2004)
Ein präziser Beobachter und Wortmetz, Tondichter und Sänger ist Christof Stählin, der heimliche Doyen der Waldeck-Lieder„macher“. (...) Seine letzten CDs kündigen ein reifes, gelassenes Spätwerk an. Manche deutschen Wellen sind vorübergeschwappt, während Stählins leise gezupften, unaufdringlichen und dennoch schlagkräftigen Lieder unüberhörbar weiterklingen. (aus der Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik, 2010)
Ich möchte mein Publikum auf möglichst wenig laute, dafür aber eindringliche Art unterhalten. Den Stoff für die Stücke suche ich aus den Zwischenbereichen des Lebens zu ziehen, aus den Ritzen: Tagtraum, Schatten, Schaum, kleine Handbewegungen. Meine Aufmerksamkeit bewegt sich dort, wo das Privateste allen gemein ist, wo das Triviale ins Geheimnisvolle umschlägt. Gesellschaft suche ich dort, wo sie sich in jedem Einzelnen abspielt, Politik da wo sie eine gemeinsame Wurzel mit vermeintlich unpolitischen Lebensbereichen hat. Karl Valentin ist mein Vorbild darin, das Selbstverständliche in Zweifel zu ziehen, denn das Selbstverständliche ist die empfindlichste Seite jeder Gesellschaft.. Ich möchte, dass mein Zuhörer fühlt, wie dicht bei ihm die Grenze zum Unerforschten liegt, ja dass sie durch ihn selbst hindurch geht. Es geht darum, einige Dinge umzustoßen, die bei uns so sehr feststehen: dass Phantasie nicht präzise, dass Traum nicht konkret, dass Denken nicht sinnlich sei, dass Poesie und eine kritische Sicht der Welt nicht zusammengehören. (Stählin über Stählin 1976)

Er gehörte in den 1960er-Jahren zu dem Kreis von Liedermachern, die beim internationalen Festival für Chanson und Folklore auf Burg Waldeck zusammenkamen. Sein wohl berühmtestes Stück ist die Klage ums Deutschlandlied. Ganz leise zupft er auf der Laute die Melodie, während er beklagt, dass Joseph Haydns einst so zartes Kaiserquartett heute laut von Blaskapellen in die Welt posaunt wird: "Du arme, kleine Melodie. Was haben sie denn mit dir gemacht? Du bist ja ganz geschwollen ..."

Daneben ist der gebürtige Rothenburger auch durch "Sago", seine Schule für Liedermacher, bekannt. "Ich umgebe mich gern mit einem Schwarm junger Leute", meint er. "Es kommt darauf an, ihnen die Philosophie zu vermitteln, wie man mit den Kräften umgeht, die einen befähigen, ein Kunstwerk zu schaffen, wie man die Großhirnrinde außer Kraft setzt." Künstler wie Judith Holofernes von "Wir sind Helden", Bodo Wartke, Sebastian Krämer oder Eckhard von Hirschhausen lernten das bei ihm.

Leise und lyrisch ist Stählins Kunst bis heute. In seinem aktuellen Programm inszeniert er wortgewandt "Ein Gedankentheater über Lust, Schmerz und Zauber des Alltags". "Dass ich so leise bin, ist teils Schicksal, teils Absicht", sagt er. "Bei der Masse von Gesichtsreißerei heute will ich nicht auch noch laute Mittel verwenden. Meine Kunst baut auf. Niederreißen ist sehr viel populärer." (Mainzer Zeitung, 2013).

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