24. November 2012 - Psalmen vs Gospel

 

 

Besetzung:

Daniela Bianca Gierok, Alt

Richard Geppert, Orgel und Klavier

Gabriele Meyer, Geige

Ronja Borer, Christiane Reinhard, Christella Langen, Hanan Kohlenberger (Frauenchor)

Link zum Bericht der Badischen Zeitung über die erste Vorstellung des Programms im Burghof

Vom Barock bis in die Gegenwart spannt das Programm der Altistin Daniela Bianca Gierok und des Pianisten und Arrangeurs Richard Geppert den Bogen. Klassik und Gospel treten in dieser Tour de Force gegeneinander, aber auch miteinander an. Seien es Purcell und Liszt gegen Gospelschlager wie "By the rivers of Babylon" von Boney M,oder Bach und Wagner gegen den Gospel-Klassiker "Swing low".

Daniela Bianca Gierok, die studierte Opern-und Jazz-Sängerin, schafft, was sonst kaum einer wagt: Sie springt mit ihrer äußerst wandlungsfähigen, über drei Oktaven ausgebildeten Stimme kunstvoll quer durch Zeiten und Stile. Auch Richard Geppert wandelt zwischen den Welten: Der frühere Kirchenmusiker und Dirigent ist Komponist verschiedener Musicals und leitet heute die Stimmen-akademie Voicelab in Lörrach - und beweist mit seinem stilsicheren Spiel, dass er zudem ein äußerst versierter Pianist ist.

Zusammen mit einem Frauenquartett und einer Geigerin ist "Psalmen versus Gospel" genauso abwechslungsreich wie mitreißend, berührend wie begeisternd. Ein Programm, das aus Superlativen besteht.

Gierok_Web

Copyright: Daniela Bianca Gierok

Ein Afrikaner kam nach dem „Weihnachtsoratorium“ zu mir und sagte: „Vielen Dank für das schöne Konzert. Ich bin LKW-Fahrer und höre immer Klassikradio während meiner Touren, und mein Lieblings-komponist ist Bach.“ Ich muss wohl einen Moment lang ziemlich blöde geschaut haben, denn mein Gegenüber grinste mich an. Dabei hatte ich mich immer meiner toleranten und offenen Haltung gerühmt. Das einzige, was offen stand, war mein Mund und aus dem krochen ganz unrühmlich, aber zum Glück unhörbar, gleich mehrere Vorurteile heraus. Ich bat sie still und heimlich zu verschwinden und klappte meinen Mund wieder zu und bedankte mich artig. Offiziell für das Kompliment, insgeheim für die Belehrung.

Dabei haben mich Vorurteile und Beschränkungsversuche anderer Menschen auf meinem musikalischen Weg genauso begleitet, wie übermäßiges Lob und Erwartungsdruck.

Die Kernvorurteile, die mich zu „Psalmen versus Gospel“ geführt haben sind:

„Gospel singen können nur Schwarze richtig.“ und „Tolle Stimme, aber für Klassik sind sie zu alt.“

Gospel habe ich im Jazzstudium entdeckt. Großes Vorbild war die einzigartige Mahalia Jackson, deren von großer Religiosität durchdrungene Interpretation mich bis heute begeistert.

Klassik habe ich in Köln bei meinem Lehrer Hartmut Singer und auf Meisterkursen studiert und bin seit einigen Jahren freischaffend im Geschäft.

Gemeinsamer Nenner dieses Konzepts sind die Psalmvertonungen. Die Vielfältigkeit der musikalischen Umsetzung der unterschiedlichen Komponisten ist großartig und löst damit auch unterschiedliche Ebenen der Auseinandersetzung aus. Ein Lied wirkt sperrig, ein anderes kommt leicht, fast wie ein Schlager daher. Manches explodiert und tritt schnell wieder ab. Ein Stück wirkt lange nach.

Wie welche Kompositionen auf den Zuhörer wirken, ist bei jedem Menschen Gott sei dank anders. Es ist stilistisch hemmungslos nebeneinander gestellt. Einzig das Wort, die zu beschreibende Empfindung dient als Klammer, und doch bilden die unterschiedlichen Herangehensweisen etwas ab: ein Kaleidoskop wie der Mensch mit Ursehnsüchten, Vertreibung/Trauer und Hoffnung/Licht umgeht.

Ich bin froh um die großartige musikalische Partnerschaft mit Richard Geppert, der hier sein vielfältiges musikalisches Talent einbringt. Er begleitet nicht nur als Organist und Pianist diesen Abend souverän durch alle Stile, sondern wirkte im Vorfeld als Arrangeur federführend beim Erstellen der Chormusik und der klassischen Arrangements mit. Mein herzlicher Dank gilt auch den vier Chorsängerinnen, die dieses Konzept mit Einsatz und Musikalität unterstützen.

Lebenslauf von Daniela Bianca Gierok:


1920 startete Daniela Bianca Gieroks Großvater eine vielversprechende Gesangskarriere. Der Tod seiner Ausbilder, ein Krieg und seine Pflichten als Vater von 14 Kindern zwangen ihn dazu, seinen Traum zu begraben. Die Liebe zur Musik pflanzte sich in der Familie fort. Als Kind der jüngsten Tochter schaffte es Daniela Bianca Gierok endlich, die Berufung der Familie zu ihrem Beruf und ihre Leidenschaft zu wandeln.

Sie studierte als Jungstudentin zuerst JazzGesang an der Musikhochschule Köln bei Norbert Gottschalk und Deborah Brown. In der Zeit gewann sie beim Bundesgesangswettbewerb im Fach Musical/Chanson und bestritt Europa-tourneen als Mitglied des Bundesjazzorchester unter der Ltg. von Peter Herbolzheimer. Aufgrund ihrer stimmlichen Voraussetzungen wurde sie ermutigt, ein weiteres Studium anzuschliessen, diesmal im klassischen Gesang bei Hartmut Singer in Köln. Sie gewann mehrere Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben. Meisterkurse u.a. bei Christa Ludwig, Prof. Gerd Uecker, Anna Tomowa-Sintow und Edda Moser.

Sie wirkte fünf Jahre als Altistin am Theater Basel. Mittlerweile widmet Sie sich ganz ihrer Solokarriere in der Klassischen Musik. Sie gibt regelmäßig Konzerte in Lied und Oratorium im In-und Ausland.

Mit einer beeindruckenden Tiefe, einem charismatischen Timbre und großem darstellerischen Potential empfiehlt sich der tiefe Alt Daniela Bianca Gierok gerade auch für die Opern des Barock und für das geistliche Altrepertoire von Bach und Händel. Im Liedrepertoire liegt ihr Schwerpunkt auf Brahms, Mahler und Strauss. Homepage: www.gierok.com


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