09. März 2012 - Michael Rayher

Pressestimmen zum Konzert: Böse Spottlieder enthüllen tiefe Menschlichkeit (veröffentlicht am 15. März 2012 auf badische-zeitung.de)

"Worte mit Liedern"
 
"Was bringt einen Schwaben zu Kreisler? Ist es die gemeinsame Erfahrung der Emigration - sei es ins neue York oder ins alte Bremen - die immer einen Bruch bedeutet, bei dem so manches zerbricht? Da kann man in Leid zerfließen, böse werden oder zubeißen oder auch alles zusammen: Man kann die Welt um sich kreislern lassen. Das ist die, wie Michael Rayher meint, beste Arznei gegen den Weltschmerz - mindestens dreimal täglich! Das Böse und Bittere wird musikalisch zur Mehlspeise überzuckert. Welcher Mensch, der gut, Geld und Herzblut für die Fauna des bremerBlocklandes opfern würde, hörte nicht gern von vergifteten Tauben und welche Menschin, die unermüdlich für Frauenrechte stritt, durchzöge nicht ein wohliger Schauder bei der Moritat vom Wiener Frauenmörder? Wenn, wie Goethe meint, Resignation des Menschen höchste Möglichkeit ist: Kreislern kann dahin führen.
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Die zugehörigen Prisen schwarzen oder andersfarbigen Humors dosiert Michael Rayher, geboren 1959 - wie Hölderlin und Harald Schmidt aufgewachsen in Nürtingen (Schwabenländle) - gelernter Komponist und virtuoser Tastenjünger: Erleben Sie mit ihm Stunden donaumonarchischer Ambivalenz!" (Hubert Geissler).Georg Kreisler gilt als Meister der Sprache, Mimik und Gestik. Seine Lieder zeichnen sich durch hintergründigen, oftmals schwarzen Humor und kompromissloser Kritik an Gesellschaft und Politik aus. Viele seiner Kompositionen sind bereits Klassiker: "Taubenvergiften im Park", "Der Zirkus in Flammen stand", "Zwei alte Tanten tanzen Tango", "Der Musikkritiker", und viele andere mehr.

Georg Kreisler, als Sohn eines jüdischen Rechtsanwalts 1922 in Wien geboren, gilt als der Meister des Schwarzen Kabaretts. 1938 emigrierte er in die USA und wurde amerikanischer Staatsbürger. Dort war er im Filmgeschäft tätig, arbeitete unter anderem mit Charlie Chaplin zusammen und trat in diversen Nachtbars als Pianist auf. Im Jahre 1955 kehrte er nach Wien zurück und erfuhr erstaunt, dass Österreich ihn nur im Lande haben will, wenn er einen Antrag zur Wiedereinbürgerung stellt. Voll Sarkasmus reagiert er mit der Komposition eines Walzers: "Wie schön wäre Wien ohne Wiener".

Der Pianist und Sänger Michael Rayher, kennt Georg Kreisler persönlich und hat mit ihm korrespondiert. Schon seit Anfang der siebziger Jahre hat er Gefallen an dessen Musik. Insbesondere faszinierte ihn die Verbindung von Klassik, Marschmusik, Parodie, Swingjazz und beißendem Wortwitz. Da es keine Noten gab, vertiefte er sich immer wieder in das Hören alter Platten, konzentrierte sich zuerst auf den Text, dann auf die Harmonien, um dann schließlich den dramatischen Zusammenhang zu erfassen. Zuerst spielte er die Lieder auf Festen und bei Freunden, die ihn ermutigten, weiter daran zu arbeiten. Mittlerweile konzertiert Michael Rayher mit Kreisler Chansons und die Presse schreibt: ..Er hat ihn drauf, seinen Kreisler ..., er spielt virtuos Klavier, ... zum Schreien komisch ist das Lied von der Wanderniere. Das ist Kreisler in Reinkultur. Gerade noch lieb, dann bissig, dann wird er lästernd und makaber und schon bitterbös ... .

Homepage: www.michael-rayher.de

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